Newton™ vs. PalmOS 4.0

Das Palm™ Betriebssystem besitzt derzeit die größten Marktanteile. Palm hat es verstanden ein Gerät zu konzipieren welches klein, leicht und dabei sehr simpel zu bedienen ist. Natürlich ging dies alles nicht zuletzt auch zu Lasten des Benutzerinterfaces und des Komforts.

Wir vergleichen im Folgenden den Palm™ mit einem Newton™ und stellen die Funktionen direkt gegenüber.

Den Palm™ Markt teilen sich derzeit die folgenden Firmen, die alle Lizenzen von Palm erworben haben und auch Geräte auf dem Markt präsent haben (sortiert nach Marktanteil).

  1. Palm Inc.
  2. Handspring
  3. Sony
  4. IBM
  5. TRG Systems

Schrifterkennung

Bei den Geräten mit PalmOS muß man sich von der vom Newton™ bekannten Handschrifterkennung verabschieden. Palm setzt auf eine eigene Entwicklung zur Schrifteingabe. Wer bereits einen Newton™ mit OS1.x hatte kann sich an die Schrifteingabe Graffiti vielleicht noch erinnnern. Durch die Verwendung von sogenannten „Single Stroke Chars“ (Zeichen die sich mit einer durchgehenden Stiftbewegung ohne abzusetzen zeichnen lassen) werden hier sehr stark stilisierte und vereinfachte Zeichen verwendet.

An den Zeichen sieht man, das hier nicht wie beim Newton™ der Computer die Handschrift des Benutzers lernt, sondern der Benutzer sich an die Zeichen des Computers gewöhnen muß. In den ersten paar Monaten kann es dann schon einmal vorkommen das plötzlich bei einer handschriftlichen Aufzeichnung auf normalem Papier Graffiti-Zeichen auftauchen. Dies gibt sich aber mit der Zeit.

Auch werden Gesten nicht unterstützt. Wo man beim Newton™ einfach nur 'Durchstreichen' mußte gilt beim Palm™: Markieren und löschen.

System/Prozessor

Das System selbst ist recht spartanisch aufgebaut - das muß es aber auch, schließlich mußten bisher alle Palm-Geräte mit einer Taktfrequenz von 16-20 MHz arbeiten. Erst Handspring baute die ersten Geräte (Platin, Prism) mit einem 33 MHz Prozessor. Palm baut in der M50x-Reihe zum ersten Mal den 33MHz Prozessor ein. Das gleiche gilt für den HandEra von TRG.

Der Prozessor ist bei allen Geräten gleich. Es handelt sich um einen Motorola Dragonball. Dieser Prozessor basiert auf 68.000er Technologie. Jedoch war dieser Prozessor mehr so eine Art „Abfallprodukt“ - wurde er doch außer von Palm nie in Stückzahlen verwendet. Der Prozessor beinhaltet bereits die komplette Ansteuerung für ein LC-Display. Bis zur m-Serie wurde auch immer auf diese Funktion zurückgegriffen.

Die Geräte

Jeder Hersteller 'kocht sein eigenes Süppchen' was das Design der Hardware angeht…

In folgender Liste sind die einzelnen Hersteller mit ihren jeweiligen Palm™ Geräten in chronologischer Reihenfolge aufgeführt.

Palm Inc.

  • Palm Personal
  • Palm 5000
  • Palm Professional
  • Palm III
  • Palm V
  • Palm IIIx
  • Palm Vx
  • Palm IIIe
  • Palm m100
  • Palm IIIxe
  • Palm m105
  • Palm VIIx
  • Palm m500
  • Palm m505

Handspring

  • Visor
  • Visor deluxe
  • Visor Edge
  • Visor Platin
  • Visor Prism

Sony

  • CLIÉ™
  • CLIÉ™ PEG-S320
  • CLIÉ™ PEG-N710C
  • CLIÉ™ PEG-N610C/V
  • CLIÉ™ PEG-N610C/S

IBM

  • WorkPad
  • WorkPad c2
  • WorkPad c3
  • WorkPad c500
  • WorkPad c505

TRG/HandEra

  • TRGpro
  • HandEra 330

Die vorinstallierten Programme

Die Adressverwaltung

Die Felder sind alle fest vorgegeben, abgesehen von vier Benutzerfelder (wie beim Newton™ auch). Allerdings sind die Grenzen hier recht schnell erreicht. Während beim Newton™ die Datenbank flexibel war und man beliebig viele Adressen, Telefonnummern und Firmen eintragen konnte ist hier die Karte „voll“ wenn jedes Feld ausgefüllt ist. Die Installation von zusätzlichen „Stationaries“ ist beim Palm™ nicht möglich.

Es können

  • 1x Name, Firma, Titel
  • 4x Telefonnummer
  • 1x E-mail
  • 1x Adresse eingegeben werden

Ab PalmOS 3.5 ist eine Funktion eingebaut, die häufiger eingetragene Daten automatisch vervollständigen kann. Dies entspricht in etwa den Diamant-Menüs im Newton die sich die letzten Einträge merken. Beim Palm™ dauert es jedoch etwas länger bis die Vervollständigung funktioniert.

Sehr nützlich ist das 'Suche:'-Feld unten im Display. Darüber läßt sich durch die Eingabe der ersten Buchstaben eines Namens/einer Firma ein entsprechender Eintrag sofort anspringen. Dies kann der Newton™ nur über den Anfangsbuchstaben, weiter kommt er dann jedoch nicht.

Die Wahl einer Telefonnummer aus dem Adreßbuch heraus funktioniert bei keinem PalmOS-Gerät weil entweder kein tauglicher Lautsprecher eingebaut bzw. keine entsprechende Software mitgeliefert wird.

Es läßt sich aus allen Karteikarten eine als 'Visitenkarte' definieren. Werden nun zwei Palm™ PDAs voreinander gehalten und die Adress-Taste für einige Sekunden gedrückt, so wird die Visitenkarte per Infrarot gesendet. Dies ist ähnlich wie beim Newton™, der Kartenaustausch muß beim Palm™ jedoch in zwei Schritten erfolgen.

Die Aufgabenverwaltung

Ist der des Newton™ sehr ähnlich. Was aber jeder Newton™-Anwender vermißt ist die fehlende Funktion Aufgaben wiederholen zu lassen. Dies ist ein eindeutiges Manko des Palm™.

Der Palm™ bietet die Möglichkeit für Aufgaben eine „Deadline“ bzw. Datum anzugeben an dem die Aufgabe angezeigt werden soll. Hier muß man sich aber entscheiden denn die Einstellung gilt für alle Aufgaben.

Der Terminkalender

Ist von der Visualisierung dem des Newton™ sehr ähnlich. Der Palm™-Kalender unterstützt alle Wiederholungsfunktionen des Newton™ und ein paar mehr. U.a. können Termine auch alle x Tage wiederholt werden. Wird der Palm™ mit dem PalmDesktop 3.x synchronisiert dürfen keine Wiederholungen ohne Enddatum eingetragen werden da andernfalls bei einer Synchronisation die Kalenderdaten beschädigt werden können. Die kleinste Zeiteinheit sind 5 Minuten. Es können keine über Mitternacht dauernden Termine eingetragen werden (max. bis 23:55).

Ab OS3.5 gibt es im Kalender auch eine Agenda-Ansicht. Diese zeigt Termine und Aufgaben gleichzeitig an. In dieser Ansicht können jedoch nur Aufgaben als erledigt markiert werden.

Der Alarm des Palm™ ist aufgrund des simplen Piepsers kaum hörbar. Selbst in der Anzugtasche ist er nur noch wahrnehmbar wenn man darauf wartet das er piept. Die Geräte der Serie M50x besitzen zudem noch einen Vibra-Alarm - welcher nur wahrnehmbar ist wenn das Gerät nah am Körper (z.B. Hemdentasche) getragen wird. Für den Kinobesuch läßt sich der Alarm nur über das Menü 'Einstellen' im System-Verzeichnis abschalten.

Die Kostenverwaltung

Für dieses Programm gibt es kein Newton™-Pendant. Allerdings ist dieses Programm dermaßen simpel das es auch für den privaten Gebrauch nur sehr bedingt geeignet ist.

Die Menüeinträge für Kostenarten etc. sind fest vorgegeben und nicht änderbar.

Eine Saldierung ist im Palm nicht möglich. Dafür muß man auf den Desktop zurückgreifen, der jedoch die Tabellenkalkulation Microsoft Excel© voraussetzt.

Es sind zu den bereits vorhandenen Währungen Pfund, Dollar, DM und Euro vier weitere Länder definierbar.

Der Notizblock

Ist mit dem Notizblock des Newton™ nur in dem Punkt vergleichbar, dass man in beide Text eingeben kann.

Der Palm™ Notizblock kann keine unterschiedlichen Textformate, keine unterschiedlichen Schriftarten und auch keine Schriftstile. Für Checklisten gibt es keine Vorlagen und auch erweitern läßt sich der Notizblock nicht durch zusätzliche „Stationaries“.

Datum und Zeit des Eintrags werden nicht vom System im EIntrag gespeichert sondern müssen vom Benutzer eingegeben werden. Die in der Übersicht gezeigten „Titel“ sind lediglich die jeweils erste Zeile einer Notiz.

Der Taschenrechner

Außer dem nicht vorhandenen „virtuellen“ Papier (das gibt es zwar, wird aber nicht immer angezeigt) sind die Taschenrechner von Palm™ und Newton™ bis auf die Äußerlichkeiten und eine beim Palm fehlende Option um Wurzeln zu ziehen, vollkommen identisch.

Beide Taschenrechner haben keine Ahnung davon, dass man Punkt-vor-Strich rechnet. Warum dies so ist kann selbst Palm nicht beantworten.

Der Launcher

Entspricht den „Extras“ des Newton™. Hier befinden sich alle installierten Programme.

Um eine Applikation zu löschen, abzulegen oder die Dateigröße anzeigen zu lassen muß man ein jeweils andere Menü aufrufen. Dabei werden dann alle Applikationen aufgelistet. Je nachdem wie viele Programme installiert sind dauert das schon 'mal ein paar Sekunden.

Die Sicherheitsfunktion

Ist ein wesentlicher Bestandteil des PalmOS. Sie entspricht der Passwortvergabe des Newton™, kann jedoch noch etwas mehr.

In allen Applikationen die den Spezifikationen von Palm™ entsprechen ist ein Ankreuzfeld „Privat“ vorhanden. Dadurch kann man Einträge markieren, die man z.B. in seinen vom Arbeitgeber gestellten Palm™ eingibt. Auch kann man damit Einträge markieren, die nicht für jedermanns Auge gedacht sind.

Über 'Sicherheit' lassen sich jetzt die “'Privat' markierten Einträge komplett ausblenden und seit OS3.5 auch maskieren. So sieht man zwar das ein Eintrag vorliegt, kann ihn jedoch nicht lesen.

Per Kennwort läßt sich der ganze Palm sperren. Dies funktioniert jedoch nur bis man ihn das nächste Mal einschaltet. Ist das Passwort korrekt wird beim Abschalten die Schutzfunktion nicht automatisch wieder eingeschaltet.

Es gibt eine einzige Geste, die Graffiti beherrscht: Einen Strich von der Unterkante des Displays zur Oberkante. Diese kann z.B. für die Funktion 'Sperren & Ausschalten' verwenden.

Die Palm™ Suchfunktion

Sucht nach der Eingabe des Suchbegriffs zuerst in der gerade geöffneten Anwendung. Anschließend werden alle anderen, eine Suche unterstützenden Applikationen durchsucht. Dies ist jedoch nicht annähernd so zeitaufwendig wie beim Newton™ - ein Palm™ durchsucht z.B. 400 Adressen in der Hälfte der Zeit, die ein MP2x00 für die selbe Menge benötigt.

Der Mangel der Suchfunktion ist der gleiche wie beim Newton™ auch: Es werden nur Zeichenketten gefunden, die am Anfang eines Eintrages/Wortes stehen.

Die E-Mail Verwaltung

Ist im wahrsten Sinne des Wortes eine reine Verwaltung. Zwar können hier auch E-Mails erstellt werden, diese bleiben jedoch bis in alle Ewigkeit auf dem Palm™ wenn auf dem Desktop kein Outlook installiert ist.

Der Palm™ kann zwar Verbindungen mit dem Internet herstellen, die E-Mails versenden kann er jedoch nicht aus eigener Kraft.

Zudem wird jede Mail auf 4000 Zeichen gekürzt. Auch kann der Desktop-Client lediglich ein Outlook-Postfach bearbeiten. Sind in diesem sehr viele E-Mails abgelegt, werden diese beim ersten Kontakt mit dem Palm™ alle dorthin übertragen. Beim Löschen von Mails muß man auch ein wenig Vorsicht an den Tag legen. Zu schnell ist eine E-Mail im Palm™ und im PC gelöscht.

Im Vergleich mit einem Newton™ fällt hier das mitgelieferte eWorld ein. Das kann zwar auch E-Mails (sehr viel komfortabler als ein Palm dies kann) jedoch ist es völlig unbrauchbar weil es das zugehörige Netzwerk nicht mehr gibt. Die Mail Applikation des Palm™ passt daher recht gut in diese Kategorie.

Die Einstellungen/Optionen

Im Einstellungen-Tool können alle systemrelevanten Einstellungen vorgenommen werden. So werden hier neben allgemeinen Dingen wie Uhrzeit, Datum und Toneinstellungen auch spezielle Einstellungen vorgenommen werden.

Das PalmOS unterstützt z.B. das Vervollständigen von sogenannten ShortCuts. Hier können alle ShortCuts definiert werden. Diese sind in allen Applikationen und Texteingabefeldern verfügbar und können genutzt werden.

Die Benutzereinstellungen dienen der Identifikation des PDAs. Wird die Passwortabfrage beim einschalten aktiviert, so sieht man direkt nach dem Einschalten ein Hinweisfenster 'Dieser Handhelds gehört' gefolgt mit allen eingetragenen Benutzerinfos. Die beim Adreßbuch beschriebene Visitenkarte ist von diesen Eingaben vollkommen unabhängig.

Die Hardware-Tasten an der Unterseite des Gerätes können frei mit Anwendungen belegt werden. Diese Funktion ist nur interessant wenn Anwendungen installiert werden, die die Funktionalität der eingebauten Anwendungen ersetzten sollen.

Unter Verbindungen können Modems hinzugefügt werden. Hier gibt es jedoch keine Modem-Treiber wie beim Newton™. Hier muß jedes Modem selbst konfiguriert werden wenn es außerhalb des Standards arbeitet. Dies wird jedoch in den seltesten Fällen von Nöten sein, da sämtliche Standard-Modemtypen problemlos funktionieren. Hier werden auch IR-Verbindungen eingestellt.

Bei Netzwerk können alle Internet- und Netzwerkverbindungen konfiguriert werden. Im PalmOS sind bereits alle notwendigen Funktionen zum Aufbau einer TCP/IP Verbindung implementiert. Dabei kann diese über jedes unter Verbindungen eingestellte 'Modem' genutzt werden. Eine Einschränkung, derer man sich bewusst sein muß: Der Benutzername kann maximal 32 Zeichen lang sein. Daher ist mit einem Palm™ nicht möglich sich in einigen Ländern in z.B. das Netz von T-Online einzuwählen.

Der HotSync®

Diese Funktion sucht man auf einem Newton™ vergebens. Die 'Verbindung'-Applikation bei einem Newton™ ist im Vergleich zum HotSync eines Palm™ nur eine peinliche Vorstellung.

Der HotSync macht einen kompletten Abgleich aller auf dem Palm™ befindlichen Daten (seit OS3.3 werden auch die installierten Applikationen gesichert). Dabei werden diese dann mit dem ebenfalls beim Palm™ mitgelieferten Desktopprogramm PalmDesktop abgeglichen. Ein HotSync dauert über das serielle Cradle nur wenige Sekunden. Der Palm™ unterstützt seit OS3.3 die volle Übertragungseschwindigkeit einer seriellen Schnittstelle von 115.000 bit/s. Damit nicht genug. Es ist absolut kein Problem den Palm™ auch über die IrDA-Schnittstelle zu synchronisieren. Dies dauert allerdings ein wenig länger, was aber bei Infrarotübertragungen vollkommen normal ist.

Des weiteren kann der Palm™ auch über ein angeschlossenes Modem oder IrCOMM-fähigem Handy eine Verbindung mit dem heimischen Rechner herstellen und per Fernsynchronisation den Datenabgleich vornehmen. Dafür muß der heimische Rechner jedoch eingeschaltet sein und der HotSync-Manager gestartet sein. Dieser belegt dann bei einem PC das Modem und macht es somit unmöglich noch z.B. Faxe auf dem gleichen Rechner zu empfangen. Um die Kosten für eine Verbindung nicht zu teuer werden zu lassen kann eingestellt werden welche Daten per Modem-Sync abgeglichen werden sollen.

Unter Windows® 2000 ist es nur sinnvoll den PalmDesktop 4.x zu verwenden da dieser eine echte Unterstützung für die IR-Funktionen von Windows® 2000 bietet. Bei den älteren Versionen gefährdet man die Stabilität des Systems enorm.


Bei allen Vergleichen wurde ein Palm™ im Auslieferungszustand verwendet.
Klar lassen sich über zusätzliche Programme Funktionen hinzufügen, kein Thema. Aber per Zusatzsoftware wird auch ein Newton™ zum Webserver - das zählt aber nicht.

nos/vergleich/palmos40-1.txt · Zuletzt geändert: 2007/07/14 12:21 (Externe Bearbeitung)